Friedrich Hölderlin (1770-1843)
geboren in Lauffen am Neckar, sein Vater starb zwei Jahre nach seiner Geburt, seine Mutter heiratete wieder, Hölderlins Stiefvater starb 1779
Theologiestudium im Tübinger Stift, dort lernte er Hegel und Schelling kennen, besonders wichtig war die Freundschaft mit dem gleichaltrigen Hegel. Im Tübinger Stift bildete sich ein Kreis, der die Gedanken der Französischen Revolution vertrat. Hölderlin stand ihm nahe, zu diesem Kreis gehörte Isaac von Sinclair, der für eine Revolution in Württemberg arbeitete.
1793 promovierte Hölderlin, schlug aber nicht die theologische Laufbahn ein, wie das seine Mutter gewünscht hatte, sondern nahm eine Stelle als Hofmeister an (im Haus der Charlotte von Kalb). Diese Stelle verlor er, weil die Gesellschafterin der Charlotte von Kalb, Wilhelmine Kirms, von ihm schwanger wurde.
Nach einem Aufenthalt in Jena, wo er Vorlesungen von Fichte hörte, Kontakt mit Schiller hatte und im Haus von Sinclair wohnte, bekam er Ende 1795 eine Hofmeisterstelle bei der Familie Gontard in Frankfurt, einer Bankiersfamilie.
Zwischen Hölderlin und Susette Gontard war es eine gegenseitige Liebe vom ersten Augenblick an. Sie wurde zur Diotima im Hyperion.
Die Familie Gontard floh vor den heranrückenden Franzosen 1796 von Frankfurt nach Kassel, später kehrten sie wieder zurück nach Frankfurt.
Im September kam es zur Trennung zwischen Hölderlin und dem Hause Gontard. Susette und Hölderlin trafen sich noch einige Male heimlich, schrieben sich Briefe. Hölderlin geriet in eine schwere Lebenskrise. Auch seine Hoffnung auf eine revolutionäre Veränderung der gesellschaftlichen Verhältnisse in Württemberg zerschlug sich.
Um eine Hofmeisterstelle in Bordeaux anzutreten, ging er dorthin zu Fuß. Am 10. Dezember 1801 brach er von Nürtingen auf, am 28. Januar 1802 traf er in Bordeaux ein. Er war immer schon ein ausdauernder Wanderer gewesen. Ein halbes Jahr später kehrte er nach Deutschland zurück. Grund war die Erkrankung von Susette Gontard. Sie starb am 22. Juni 1802.
Sinclair kümmerte sich um den trauernden Hölderlin, er verschaffte ihm eine Stelle als Bibliothekar in Homburg, sein Gehalt zahlte Sinclair. Sinclair wurde 1805 verhaftet, die Ermittlungen gegen Hölderlin wurden eingestellt, nachdem ihm ein Homberger Arzt eine Geisteskrankheit bescheinigt hatte.
Hölderlin wurde im September 1806 mit Gewalt von Homburg nach Tübingen gebracht und in das Authenriethsche Klinikum eingeliefert. Dort blieb er sieben Monate, dann kam er zu dem Schreinermeister Zimmer, wohnte in seinem Haus am Neckar, in einem Turmzimmer, die Ärzte glaubten, daß er höchstens nur noch drei Jahre zu leben hätte. Aber er lebte dort noch 35 Jahre und starb am 7. Juni 1843 mit 73 Jahren.
Es bleibt eine offene Frage, ob seine Geisteskrankheit echt war oder nur eine Simulation, um sich der Verfolgung durch den Staat zu entziehen und um sich einen inneren Raum zu schaffen, in dem er mit seinem Schmerz leben konnte.