Interview mit Rudolf Heinz zum Thema Melancholie (21.06.1989)
Schatten der Selbstbehauptung
Melancholie als Erfahrung von Sterblichkeit, Endlichkeit
Dies ist nicht nur sozusagen ein Prozeß ohne Subjekt, es ist ein Prozeß, und zwar ein nothafter Prozeß sondersgleichen mit einem Residual-Subjekt mindest, oder mindest mit einem Subjekt-Posten, der die Möglichkeit hat, dieses Verhältnis selbst erkennbar zu machen. Dabei aber in der Erkennbarkeit nicht in eine Meta-Position hineingerät, sondern dasselbe auch in der Erkennbarkeit hinwiederum vollstreckt. Das könnte man zeigen etwa am Problem von Sprache versus Schrift, und und und. Also Schrift als das Melancholicum selber.
Melancholie als Schatten der Selbstbehauptung
Ich glaube, das kann man als Charakteristik des betreffenden Stücks Geschichte, Gattungsgeschichte behaupten, daß spätestens von Beginn dessen, was man so à la Blumenberg humane Selbstbehauptung nennen kann, spätestens von da an die Melancholie der notwendige Begleitschatten der humanen Selbstbehauptung in Richtung humaner Autarkie, und mehr als nur humaner Autarkie ist, der notwendige Begleitschatten, und zwar in dieser Doppelung als Akzentuierung von Depression, als Funktionalisierung besser vielleicht von Depression zu diesem Schatten der Autarkie, einerseits, und auch der Etablierung von Erkenntnisformen, die dann ebenso unvermeidlicherweise melancholiebegründet sein müssen. Was nachzuweisen wäre, etwa von innen in der Geschichte der Philosophie, von diesem Zeitpunkt an. Da wäre auch keine Sorge, dies nachzuweisen, denke ich.

Name  PW