Interview mit Rudolf Heinz zum Thema Melancholie (21.06.1989)
Selbstpositionierung als Melancholiker
Sehen sie sich selber als Melancholiker?
Ja! Ohne Einschränkung, ja, nur! meine ich, daß es mit zur Melancholie dann gehören müßte, daß man lachen kann, daß der Melancholiker Witze machen kann. ... Wenn ich gerne reise, so ist dies, der ich ja zu wissen meine, was Reisen melancholischerweise ist, dann ist Reisen nichts anderes als ein großer Witz. Und jetzt müssten wir dann beginnen, über die Dialektik des Lachens sozusagen zu handeln. Das Lachen wird aufhören müssen! Es hört auf! Es erschöpft sich! Sonst lache ich mich nämlich tot. Und das ist ja nicht der Sinn des Lachens, mich tot zu lachen. Auf das Lachen, es ist kein Prinzip, das meinte ich damit, ist nicht zu gründen, daß tatsächlich das, was momentan im Lachen als besondere Erkenntnis hebbar ist, endgültig weilen könnte; ich kann es weilend machen, indem ich es niederlege schriftlich, aber dann ist es schriftlich niedergelegt, und ich selber beginne eine neue Runde, ein Prozeß, gründen, es bestenfalls des Lachens abermals. Es wird also immer kein Progreß sein, da ist keine Progression darauf zu gründen, es wird immer ein Prozeß sein, Erkenntnis zu gewinnen melancholischerweise im Lachen, diese Erkenntnis niederzulegen und selbst davon nochmal absent zu sein und eine neue Runde desselben.
Und das ist auch eine mühsame Sache, unterwegs praktizieren zu müssen. Es gibt nur Phantasmen der Ankunft, und darüber haben wir die ganze Zeit gesprochen, das ist die Depression, das ist der Tod, und das ist keine Ankunft, daraus ist nun aber nicht zu folgern, daß es nur die absolute Methode gäbe, die ist dauernd durchbrochen, also muß ich mich arrangieren mit Strom und Einschnitt und dem, was an diesen Einschnittstellen für den sogenannten Intellektuellen insbesondere an Wissen, an Wissensmöglichkeiten abfällt.

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