"Der Alkohol ist erschaffen worden, damit man die Leere des Universums ertragen kann, die Bewegung der Planeten, ihre unerschütterliche Rotation im Raum, ihre stille Gleichgültigkeit am Ort unseres Schmerzes. Der Mensch, der trinkt, ist ein interplanetarischer Mensch. Er bewegt sich in einem interplanetarischen Raum. Dort lauert er. Der Alkohol tröstet über nichts hinweg, er füllt die psychischen Räume des Individuums nicht aus, er ersetzt nur das Fehlen Gottes. Er tröstet den Menschen nicht."
Marguerite Duras, Das tägliche Leben, 23

Alkohol ist ein verführerischer Begleiter des Menschen in seiner Einsamkeit und Verlorenheit. Er kompensiert eine Bestürzung angesichts der Leere und Kälte der Welt. Blaise Pascal schreibt von dem Grauen vor der unermesslichen Weite des Weltraums, vor seiner Menschenfeindlichkeit. Aber das betrifft die Natur überhaupt, der der Mensch gleichgültig ist in ihren unerbittlichen Kreisläufen. Fehlt der Trost eines Gottes, bleibt noch der Alkohol.

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Duras, Marguerite: Das tägliche Leben. Frankfurt am Main: Suhrkamp (edition suhrkamp), 1988