"Die Zeit, die eine in Abfolge aufgelöste Gleichzeitigkeit ist, hindert den Menschen daran, jeden Augenblick tatsächlich alles zu sein, was er sein kann; sie zwingt ihm die Geduld auf, die die Tugend der Erwartung ist. Andererseits aber ist die Zeit der Werdegang unserer Freiheit par excellence: im Gegensatz zur Beschaffenheit der platten und unabänderlichen Zeitlosigkeit stellt sie für das unvollkommene Wesen die Hoffnung dar, ein anderer werden zu können."

Wenn behauptet wird, die Zeit wäre ursprünglich Gleichzeitigkeit, die sich dann in eine Zeitfolge entfaltet, ist damit das Phantasma bezeichnet, alles zu sein, die Einheit des Seins zu realisieren. Die Ausfaltung der Zeit ist dann der Verlust der Absolutheit und öffnet den Raum des Werdens als Erwartung und Hoffnung, die dann Verfallsformen des Absoluten wären.

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Jankélévitch, Vladimir: Der Tod. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2005