"Die Autonomie – die Philosophie, soweit sie bestrebt ist, die Freiheit oder die Identität des Seienden zu sichern – setzt voraus, daß die Freiheit selbst ihres Anspruches gewiß ist, sich ohne Rückgriff auf etwas anderes rechtfertigt, sich wie Narziß an sich selbst genug ist. Wenn im philosophischen Leben, das diese Freiheit verwirklicht, ein diesem Leben Fremdes auftaucht, etwas anderes – die Erde, die uns trägt und unsere Anstrengungen enttäuscht, der Himmel, der uns erhebt und uns nicht kennt, die Kräfte der Natur, die uns vernichten und uns beistehen, die Dinge, die uns hinderlich sind und uns nützen, die Menschen, die uns lieben und uns knechten – so ist es ein Hindernis. Man muß es überwinden und in dieses Leben integrieren. Und die Wahrheit ist eben dieser Sieg und diese Integration."
Emmanuel Lévinas, Die Spur des Anderen, 188

Die herkömmliche Philosophie erhebt den Anspruch, die menschliche Freiheit zu sichern, indem sie alles, was von außen die Autonomie bedroht, in ihr System integriert und so das Unbegriffene und Widrige besiegt und auslöscht.

Name  PW 


Lévinas, Emmanuel: Die Spur des Anderen. Untersuchungen zur Phänomenologie und Sozialphilosophie. Freiburg im Breisgau: Alber, 1983