Andere
Helmut Brandt: Virtuelle Poesie

 
Der Übergang von der Begegnung zur Nähe als Enttäuschung, weil die Fremdheit des Anderen bleibt, - die Fremdheit, die in der Begegnung als Reichtum empfunden wird, in der Nähe hingegen als Mangel.

"Es ist in keinem Augenblick das Sinnliche so seelenhaft, das Seelenhafte so sinnlich als in der Begegnung. Hier ist alles möglich, alles in Bewegung, alles aufgelöst. Hier ist ein Zueinandertrachten noch ohne Begierde, eine naive Beimischung von Zutraulichkeit und Scheu. (...)
In der Umarmung ist das Fremdsein, das Fremdbleiben, das Furchtbare, das Grausame, das Paradoxon - in der Begegnung flattert um jeden von beiden seine ewige Einsamkeit wie ein prachtvoller Mantel, und es ist, als könnte er ihn auch von sich werfen, im nächsten Augenblick schon. (...)
Die Begegnung verspricht mehr, als die Umarmung halten kann."
Hugo von Hofmannsthal, Die Wege und die Begegnungen
in: Erzählungen Erfundene Gespräche und Briefe Reisen, 161
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