Sprache

 
Bereits im Niederschreiben von Gedanken und Geschehnissen findet schon ein Abschied statt. Es ist ein Loslassen von Gegegenwärtigem, wie ein Abstreifen von toter Haut.

"Auch die wahrsten Briefe sind meiner Ansicht nach nur Leichen, sie bezeichnen ein ihnen einwohnend gewesenes Leben und ob sie gleich dem Lebendigen ähnlich sehen, so ist doch der Moment ihres Lebens schon dahin: deswegen kömmt es mir aber vor (wenn ich lese, was ich vor einiger Zeit geschrieben habe), als sähe ich mich im Sarg liegen und meine beiden Ichs starrten sich ganz verwundert an."
Karoline von Günderrode, Brief an Clemens Brentano
in: Der Schatten eines Traumes, 227
Name  PW