Selbst
Helmut Brandt: ohne Titel

 
Sensibilität lässt uns der Verführung unterliegen, uns den Erwartungen und Fantasien Anderer anzupassen. Wir wollen sie nicht enttäuschen und täuschen uns selbst.

"Allzuoft verpflichtet uns das Vorurteil anderer, und wir lassen uns, sobald unsere Sensibilität größer ist als unsere Charakterstärke, von dem Bild absorbieren, das man sich, unserem Gefühl nach, von uns macht. Ja, der Blick anderer Leute deformiert uns, und unwillkürlich nehmen wir eine Zeitlang die Vorzüge und Fehler an, die sie in uns hineinsehen. Wir machen diese oder jene Geste, die uns gar nicht natürlich ist, weil wir fühlen, daß sie von uns erwartet wird; denn gewissen Naturen fällt es sehr schwer, einem Antrieb zu widerstehen, der von der Phantasie ausgeht."
André Gide, Aus den Tagebüchern 1889-1939, 282f.
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