"Entstellt war freilich jedes Gesicht, das man liebte, entstellt und grausam aufreizend, wenn es nicht mehr log, wenn es schwieg, wenn es schlief. Da sah man ihm auf den Grund und sah nichts von Liebe darin, wie man auch im eigenen Herzen nichts von Liebe fand, wenn man auf den Grund sah. Da war nur Lebensgier und Angst, und aus Angst, aus dummer Kinderangst vor der Kälte, vor dem Alleinsein, vor dem Tode floh man zueinander, küßte sich, umarmte sich, rieb Wange an Wange, legte Bein zu Bein, warf neue Menschen in die Welt. So war es."
Hermann Hesse, Klein und Wagner
in: Innen und Außen, 73

Der Schlaf des geliebten Anderen entrückt ihn in eine Fremdheit, die mich abweist. Ich fühle mich verlassen und bleibe allein mit meiner Sehnsucht, meiner Liebe, meiner Lebensgier. Ich werde konfrontiert mit einer alten Angst vor Einsamkeit und Tod.

Name  PW 


Hesse, Hermann: Innen und Außen. Gesammelte Erzählungen 1919-1955. Frankfurt am Main: Suhrkamp (suhrkamp taschenbuch), 1980