Rückzug
Helmut Brandt: Schriftspuren

 
Den Tag ohne Frühstück zu beginnen, ist eine Nachlässigkeit der Schwelle gegenüber, die es zwischen der Nacht und ihren Träumen und dem Tag und seinem Handeln gibt.

"Wer die Berührung mit dem Tage, sei es aus Menschenfurcht, sei es um innerer Sammlung willen, scheut, der will nicht essen und verschmäht das Frühstück. Derart vermeidet er den Bruch zwischen Nacht- und Tagwelt. Eine Behutsamkeit, die nur durch die Verbrennung des Traumes in konzentrierte Morgenarbeit, wenn nicht im Gebet, sich rechtfertigt, anders aber zu einer Vermengung der Lebensrhythmen führt. (...) Denn nur vom anderen Ufer, von dem hellen Tag aus, darf Traum aus überlegener Erinnerung angesprochen werden. Dieses Jenseits vom Traum ist nur in einer Reinigung erreichbar, die dem Waschen analog, jedoch gänzlich von ihm verschieden ist. Sie geht durch den Magen. Der Nüchterne spricht von Traum, als spräche er aus dem Schlaf."
Walter Benjamin, Einbahnstraße
in: Gesammelte Schriften IV, 85f.
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