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Helmut Brandt: Dokument (1998)

 
Schreiben ist nichts Beiläufiges, das sich verträgt mit einer Nähe zu Anderen, mit einem sozialen Eingebundensein. Schreiben verlangt Rückzug und Einsamkeit, eine kompromisslose Abwendung vom Leben.

"Schreiben heißt ja sich öffnen bis zum Übermaß; die äußerster Offenherzigkeit und Hingabe, in der sich ein Mensch im menschlichen Verkehr schon zu verlieren glaubt und vor der er also, solange er bei Sinnen ist, immer zurückscheuen wird - denn leben will jeder, solange er lebt - diese Offenherzigkeit und Hingabe genügt zum Schreiben bei weitem nicht. Was von dieser Oberfläche ins Schreiben hinübergenommen wird - wenn es nicht anders geht und die tiefern Quellen schweigen - ist nichts und fällt in dem Augenblick zusammen, in dem ein wahres Gefühl diesen obern Boden zum Schwanken bringt. Deshalb kann man nicht genug allein sein, wenn man schreibt, deshalb kann es nicht still genug um einen sein, wenn man schreibt, die Nacht ist noch zu wenig Nacht."
Franz Kafka, Briefe an Felice Bauer, 250
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