Leben
Helmut Brandt: "Altamira"


 
Das Leben als Welle zu begreifen, die uns zu einem fernen Horizont trägt, schützt uns vor den Schrecken des Todes. Das Gleiten vom Leben zum Tod hebt die gefürchtete harte Grenze auf. Leben und Tod werden zu irrealen Begriffen, von denen sich die Seele befreit und in ihr eigenes Leben eintauchen kann.

"Man muß das Gefühl seines Lebens als eines ruhig Gleitenden in sich erwecken. In dem Moment, wo dies gelingt, ist man dem Tode ebenso nah wie dem Leben. Man lebt nicht mehr, - nach unseren irdischen Begriffen, - aber man kann auch nicht mehr sterben, denn mit dem Leben hat man auch den Tod aufgehoben. Es ist der Augenblick der Unsterblichkeit, der Augenblick, wo die Seele aus unserem engen Gehirn in die wunderbaren Gärten ihres Lebens tritt."
Robert Musil, Die Verwirrungen des Zöglings Törleß, 121
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