Rückzug
Helmut Brandt: Vanitas (2003)

 
Die Schwelle der Wandlung zu überschreiten, bedarf einer höheren Form des Geistes, um - einer Metamorphose gleich - Entwicklung zu ermöglichen. Gelingt dies nicht, versinkt der Mensch in Schwermut als Kapitulation vor dem Stillstand. So gesehen schützt nur die Unwissenheit vor dem drohenden Scheitern.

"Was also ist Schwermut? Sie ist die Hysterie des Geistes. Es kommt im Leben des Menschen ein Augenblick, da die Unmittelbarkeit gleichsam reif geworden ist und da der Geist eine höhere Form fordert, da er sich selbst als Geist ergreifen will. Als unmittelbarer Geist hängt der Mensch mit dem ganzen irdischen Leben zusammen, und nun will der Geist gleichsam aus dieser Zerstreutheit heraus sich sammeln und sich in sich selbst erklären; die Persönlichkeit will sich ihrer selbst in ihrer ewigen Gültigkeit bewußt werden. Geschieht dies nicht, wird die Bewegung unterbrochen, wird sie zurückgedrückt, so tritt Schwermut ein. (...) Die Menschen hingegen, deren Seele keine Schwermut kennt, sind diejenigen, deren Seele keine Metamorphose ahnt."
Sören Kierkegaard, Entweder - Oder, 741ff.
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