Selbst
Helmut Brandt: ohne Titel


 
Dieses lebenslange Projekt, die eigene Identität zu definieren, das rastlose Suchen nach Selbstfindung, wirft zuweilen die irritierende Frage auf, ob wir unser armseliges Ich, gemessen am großen Ganzen, nicht einfach nur lächerlich aufblähen.

"Gewiß, man wünscht jedem der unzähligen verzweifelten Identitätssucher, die darum ringen, zu sich selbst zu kommen, man wünscht ihnen, sie mögen sich endlich einbilden, sie gefunden zu haben, ihre »Identität«, sei es in einer Gemeinschaft, in der Arbeit, im Politischen oder in sonst irgendeinem Abenteuer ihrer Existenz. Hierbei handelt es sich ja offenkundig um eine abgesunkene Glaubensfrage, so wie man früher um »seinen Gott« rang. Trotzdem schmerzt jedesmal, wenn man die inbrünstige Phrase von der Identität hört, der Anklang an Gott bzw. der Mißklang der Selbstvergottung, die das kleine, das freie und armselige Subjekt sich herausnimmt."
Botho Strauß, Paare, Passanten, 177
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