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Hélène Cixous meint, dass sich Kafka in seiner Beziehung zu Felice Bauer seinen Tod erarbeitet. Sie sieht in Kafkas Briefen eine grundsätzliche Wahrheit aufscheinen über das Verhältnis des Mannes zur Frau, dieses Verhältnis, das sich sonst anders zeigt, in den täuschenden Worten der Liebe, und das verdecken, was dieses Verhältnis wirklich ist:
"eine Hassbeziehung, die von der Todesangst genährt wird: die Frau, das ist für den Mann der Tod".
"Kafka ist einer, der sagte, daß es einen Kampf gäbe, der ihm über alle Maßen Angst machen würde (ihr wißt, daß er ein Mann des Kampfes war, aber ein Mann des Kampfes mit dem Tod und in diesem Sinne wirklich der größte Mann), in Bezug auf die Frauen war es Kampf, der ihm Angst machte (der Tod machte ihm keine Angst). Er sagte, daß der Kampf mit den Frauen im Bett enden würde: und das sei der größte Schrecken. Dieser Kampf, ich denke, daß ihr das Leben Kafkas etwas kennt und ihr müßt wissen, daß er in seiner totalen Redlichkeit, in seiner absoluten Ehrlichkeit versucht hat, diese schreckliche Angst vor der Beziehung zur Frau und vor seinem Kampf, der nur im Bett enden konnte, zu leben, indem er erarbeitete... eigentlich produzierte, eine neurotische Struktur, die ganz und gar außergewöhnlich ist vor Schönheit und Schrecklichkeit und die darin bestand, eine lebendige und tödliche Beziehung mit einer Frau zu haben, aus der größtmöglichen Ferne. Das heißt, die größte Nähe und die größte Ferne zu haben. Er hat zum Beispiel seine Zeit damit zugebracht, sich zu verloben, sich leidenschaftlich eine Heirat zu wünschen, vor der er sich zutiefst fürchtete, und dauernd den Tag der Hochzeit hinauszuschieben durch endlose Manöver des Unbewußten...durch eine Strategie von Bruch und Wiederholung, die ihn bis zu seinem Todesbett geführt hat, wie er es sich gewünscht hat, einem Bett schließlich, wo er allein war mit dem Tod."
Hélène Cixous, Die unendliche Zirkulation des Begehrens, 28f.
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