Selbst
Helmut Brandt: "Altamira"


 
Lachen ist nicht ungefährlich: Man schüttelt sich vor Lachen, man platzt vor Lachen, man kann sich kaputt lachen, sich sogar tot lachen. Und wenn einem das Lachen im Hals stecken bleibt, zeigt sich die Angst, die sich im Lachen verbirgt.
Im Lachen verliert das Ich die Kontrolle über sich selbst, das Lachen steigt aus der Tiefe des Körpers - vom Zwerchfell aus - nach oben (ansonsten wäre es ein aufgesetztes Lachen).
Lachen ist Ausdruck einer Verstörung, Reaktion auf den Einbruch von etwas Fremdem, das sich nicht in die eigene Ordnung fügt. Im Lachen zeigt sich ein Widerspruch von Subjekt und Welt, von Selbsteinschätzung und Wirklichkeit. Lachen ist Ausdruck einer Krise.
Das Lachen muss nicht nur Abwehr bleiben, es kann auch eine Brücke sein zu dem, was Angst macht und in der Ernsthaftigkeit ausgeblendet wird. Lachen würde dann zum Eingeständnis der Nichtigkeit und des Scheiterns des Daseins und holte das ins Leben zurück, was von der Ernsthaftigkeit verleugnet wird. Lachend zu erkennen, dass man nichts zu lachen hat, lauert doch am Rande jedes Lachens die Ohnmacht und das Scheitern.
Deshalb wurde das Lachen von den Wächtern der Ordnung immer gefürchtet, denn es stellt die bestehenden Regeln in Frage.
(Was ist ein dreckiges Lachen? - Es entlarvt des Schein des Sauberen.)
Neben einem befreienden Lachen gibt es auch ein böses Lachen, das Lachen der Überheblichkeit, das Verlachen. Es ist das Lachen, das in der Angst gefangen bleibt und in Gewalt mündet.
Name  PW