Selbst
Helmut Brandt: "Altamira"


 
Das Lachen ist in seinem Ursprung nicht menschlich, sondern den Göttern vorbehalten. Die Domäne des Menschen ist der Ernst, die Götter hingegen lachen, weil sie spielen.

"Es gibt kein Spiel ohne Verlust, keinen Ritus ohne Opfer. Die Götter opfern sich, wenn sie Welten erschaffen, denn jede Schöpfung ist Spiel. Die Beziehung zwischen dem Lachen und dem Opfern ist so alt wie der Ritus. Die blutrünstige Heftigkeit der Bacchanalien und Saturnalien war fast immer von Geschrei und Gelächter begleitet. Das Lachen erschüttert das Universum, bringt es außer sich, offenbart sein Innerstes. Das schreckliche Lachen ist göttliche Offenbarung. Wie die Opferung verneint es die Arbeit; aber nicht nur, weil es deren Unterbrechung ist, sondern weil es deren Ernst in Frage stellt. Das Lachen ist die Aufhebung und gelegentlich sogar der völlige Verlust der Vernunft. (...) Das Lachen führt das Universum zu seiner ursprünglichen Gleichformigkeit und Fremdheit zurück: wenn es eine Bedeutung hat, ist es eine göttliche, keine menschliche."
Octavio Paz, Die Rückseite des Lachens; in: Essays 1, 50ff.
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