Selbst
Helmut Brandt: "Altamira"


 
Lächeln ist ein Standhalten gegenüber dem, was ich als mir unangemessen empfinde, im Unterschied zum Lachen, das den Verlust der Souveränität des Ausdrucks bedeutet.

Das Lächeln kann vieles bedeuten: Klugheit oder Dummheit, Stolz oder Bescheidenheit, Überlegenheit oder Verlegenheit, Verachtung oder Mitleid, Zufriedenheit oder Verbitterung. Es ist eine "vieldeutige Gebärde". Es gibt "ein triumphierendes, ein seliges, ein friedliches Lächeln" wie ein "süffisant-maliziöses, ein ironisches, ein bitteres Lächeln".
Aber in jedem Fall gibt es im Lächeln eine Distanz zu den eigenen Gefühlen, es gibt einen Abstand, und damit wird auch der Andere geschont, weil man ihn nicht zu einer Antwort nötigt. Es ist ein "gedämpfter" Ausdruck, ein "Ausdruck im Diminuitiv". "Es wahrt Abstand zum Ausdruck."
Die Freiheit des Ausdrucks, die im Lachen verloren wird, ist im Lächeln gewahrt:
"Lachend und weinend ist der Mensch das Opfer seines Geistes, lächelnd gibt er ihm Ausdruck."
Helmuth Plessner, Das Lächeln; in:
Zwischen Philosophie und Gesellschaft, 220f.
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