Leben
Helmut Brandt: Altamira


 
Am Ende stehen wir da und blicken fassungslos zurück auf unser zerlebtes Leben. Da haben wir es zerhofft, zerträumt, zerliebt und verspielt mit sehnsuchtsvollem Blick nach Irgendwann. Und plötzlich schlägt sie zu, die verheißungsvolle Tür der Zukunft. Wir haben unser Leben zerwartet.

"Die Szenen unseres Lebens gleichen den Bildern in grober Musaik, welche in der Nähe keine Wirkung thun, sondern von denen man fern stehn muß, um sie schön zu finden. Daher heißt etwas Ersehntes erlangen dahinter kommen, daß es eitel ist, und leben wir allezeit in der Erwartung des Besseren, auch oft zugleich in reuiger Sehnsucht nach dem Vergangenen. Das Gegenwärtige hingegen wird nur einstweilen so hingenommen und für nichts geachtet, als für den Weg zum Ziel. Daher werden die Meisten, wenn sie am Ende zurückblicken, finden, daß sie ihr ganzes Leben hindurch ad interim gelebt haben, und verwundert seyn, zu sehn, daß Das, was sie so ungeachtet und ungenossen vorübergehn ließen, eben ihr Leben war, eben Das war, in dessen Erwartung sie lebten. Und so ist denn der Lebenslauf des Menschen, in der Regel, dieser, daß er, von der Hoffnung genarrt, dem Tode in die Arme tanzt."
Arthur Schopenhauer, Parerga und Paralipomena II, §145, 260
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