"Alle Vielfachheit und Verschiedenartigkeit geht in dir unter, indem die Liebe in dir aufgeht, ihr Entstehen ist das Verschwinden alles besondern Daseins. Du bist nicht mehr da, indem du liebst, in den Zusammenhängen und Verbindungen mit den Dingen und Menschen, in denen du früher warst und die allein das besondere Dasein ausmachen, du bist nicht mehr da in deinen besondern Interessen, in deinen Sachen, in den vielen Gegenständen, in denen du sonst warst, du bist nur noch in dem einen, was Gegenstand deiner Liebe. Alles außer ihm ist Eitelkeit, ist nichts. Der feste und sichere Grund, worauf du sonst standest, ist unter dir hinweggezogen, du stehst am Rande des völligen Untergangs, du bist hinabgesunken in einen unergründlichen Abgrund."
Ludwig Feuerbach, Gedanken über Tod und Unsterblichkeit
in: TWA 1, 118

Es ist eher nicht das, was man sich unter Liebe vorstellt. Alles Eigene soll in ihr untergehen, Liebe als eine Ekstase der Selbstvernichtung? Ein Narzissmus, der als Masochismus triumphiert? Eine Mystik, die über eine Selbstauslöschung mit einem Ideal verschmilzt?
Ziel der Auflösung des Eigenen ist die Verschmelzung mit einem idealisierten Anderen, dem Objekt der Liebe.

Name  PW 


Feuerbach, Ludwig: Frühe Schriften (1828-1830). Werke in sechs Bänden, Band 1. Frankfurt am Main: Suhrkamp Theorie, 1975