"Wenn diese Befriedigung über all das hinausgeht, was dem Menschen zu empfinden gegeben sein kann, um in einen Zusammenhang mit Primat und Vorrang gebracht zu werden, wenn die Funktion des Orgasmus diese herausgehobene Position erreichen kann, ist das nicht deshalb so, weil es in der Tiefe des realisierten Orgasmus das gibt, was ich die an die Angst gebundene Gewissheit genannt habe? – insofern der Orgasmus die eigentliche Realisierung dessen ist, was die Angst als Verortung, als Ausrichtung des Ortes der Gewissheit anzeigt. Von allen Ängsten ist der Orgasmus die einzige, die sich real vollzieht."
Jacques Lacan, Die Angst. Das Seminar, Buch X, 298

Im Orgasmus vollendet sich eine Angst – der »kleine Tod«, wie die Franzosen sagen. Er ist der Abschluss einer mit Angst verbundenen Erregung, was keinen Widerspruch zur Lust bedeutet, im Gegenteil. Sehnen wir uns in der Tiefe nach dem, was uns auflöst, uns zerstört? –
In manchen Situationen der Zuspitzung von Angst tritt ein Orgasmus auf. Die Verbindung von Orgasmus und Angst dürfte auch ein Grund dafür sein, dass der Orgasmus selten erreicht wird.

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