"Lieber von Hand schreiben als mit der Maschine, damit es diese Hand ist – einer der Körperteile, den wir als am unmittelbarsten zu uns gehörig empfinden –, die ohne anderes Zwischenglied als den Kugelschreiber (der kein solcher Fremdkörper ist wie eine Tastatur, denn er ist die einfache Verlängerung unserer Finger) Buchstabe für Buchstabe die Zeilen gestaltet und sich an sie anklammert, als sei notwendigerweise jede einzelne und sogar jedes einzelne der handgeschriebenen Zeichen einerseits unmittelbarer Ausdruck des Lebens (wie das Graffito oder sonst eine Spur, die anzeigt, daß man irgendwann an dem und dem Ort gewesen ist), andererseits, bei vollem Bewußtsein der mit dieser Geste verbundenen Muskelanspannung, der Griff nach einem Halt, um dem Tod durch Ertrinken zu entrinnen."
Michel Leiris, Das Band am Hals der Olympia, 223

Das Schreiben ist ein körperlicher Vorgang, der bis in die Schrift hinein reicht, aber nur als handschriftliches Schreiben. Das Schreiben mit der Tastatur zerschneidet diese Verbindung. – Stimmt das so?
Auch beim Schreiben mit dem Kugelschreiber findet eine Trennung statt zwischen Körper und Schreibmedium. Man kann zwar die Unregelmäßigkeit der Schrift bis zur Unleserlichkeit als Verlängerung des Körpers in die Schrift sehen, aber die Verkrampfung der Hand beim Schreiben ist andererseits auch eine Trennung von Körper und Schrift, die beim Schreiben mit der Tastatur ermäßigt wird.

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Leiris, Michel: Das Band am Hals der Olympia. Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch, 1989