Aufbruch
Helmut Brandt: Altamira

 
Eine Schwelle ist nicht nur ein Ort des Übergangs, der Verwandlung, sondern auch ein Ort der Prüfung. Denn Schwellen sind Orte des Innehaltens, des Aufschubs, des Wartens.

"Im üblichen Bewußtsein heißen die Schwellen demnach: Übergang, von einem Bereich in den anderen. Weniger bewußt ist uns vielleicht, daß die Schwelle auch für sich ein Bereich ist, besser: ein eigener Ort, der Prüfung oder des Schutzes. Ist nicht der Kehrichthaufen, auf dem Hiob in seinem Elend hockt, so eine Prüfungsschwelle? Begab man sich nicht einst auf der Flucht unter den Schutz eines Menschen, indem man sich auf dessen Schwelle niederließ? (...) Jeder Schritt, jeder Blick, jede Gebärde sollte sich selber als einer möglichen Schwelle bewußt werden und das Verlorene auf diese Weise neu schaffen. Das veränderte Schwellenbewußtsein könne dann die Aufmerksamkeit neu von einem Gegenstand auf den anderen übertragen."
Peter Handke, Der Chinese des Schmerzes, 126f.
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