Liebe
Helmut Brandt: ohne Titel

 
Liebe wäre die Fähigkeit, jemanden oder etwas zu verwandeln in die Verkörperung eines Ideals. Als Bewunderung dieses Bildes des Anderen wäre Liebe eine Selbstüberschreitung, die aber dem eigenen Narzißmus nicht entkäme.

"Wenn wir Mühe haben zu lieben, dann deswegen, weil wir Mühe haben zu idealisieren: Mühe, einen anderen, der als unermeßlicher Wert gilt, mit unserem Narzißmus zu besetzen und uns dadurch unseres eigenen Potentials an Maßlosigkeit zu versichern. Wenn es uns aber gelingt zu lieben, dann doch wohl deswegen, weil jemand, ein Mann oder eine Frau, ein Kind, ein Wort oder eine Blume der hartnäckigen Kraft unseres Mißtrauens, des Hasses und der Angst davor, uns in eine ideale Andersheit zu versetzen, widerstanden hat ..."
Julia Kristeva, Geschichten von der Liebe, 163f.
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