Sprache
Helmut Brandt: Avant la Lettre


 
Im Gegensatz zum Schreibenden, der die Zeit anhält und der Welt Räume schafft, begibt der Lesende sich auf Reisen, erkundet zeit- und grenzenlos die in der Literatur entworfenen Welten und Handlungen.

"... sind die Leser Reisende; sie bewegen sich auf dem Gelände des Anderen, wildern wie Nomaden auf Feldern, die sie nicht beschrieben haben und rauben gar die Reichtümer Ägyptens, um sie zu genießen. Die Schrift akkumuliert, lagert ein, widersteht der Zeit durch die Schaffung eines Ortes und vervielfacht ihre Produktion durch den Expansionismus der Reproduktion. Die Lektüre ist nicht gegen den Verschleiß durch die Zeit gewappnet (man wird vergessen und man vergißt), sie konserviert das Erworbene nicht oder nur schlecht und jeder Ort, an dem sie vorbeikommt, ist eine Wiederholung des verlorenen Paradieses."
Michel de Certeau, Kunst des Handelns, 307
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