Erfahrung
Helmut Brandt: ohne Titel

 
Sucht ist ein nicht religiös abgestützter, singulärer Versuch, sich im Leben vom Leben zu befreien und in ein unmittelbares Verhältnis zum Göttlichen zu gelangen. Die Katastrophe der Betroffenen besteht darin, dass die Gesellschaft sie von diesem Weg zurückholen will.

"Sucht ist ein decodiertes, das heißt verdunkeltes und entsprachlichtes Verlangen nach Befreiung vom Existenzzwang. Sie ist der Ernstfall der Privatreligion. In ihren gefährlichsten Varianten entsteht sie durch einen frivolen, also privaten, entritualisierten und unwissenden Umgang mit potenten psychotropen Substanzen. Diese hinterlassen am Ende von nicht-informativen Ekstasen wiederholungsfordernde Spuren in den Lustgedächtnissen der Subjekte."
Peter Sloterdijk, Weltfremdheit, 156
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