"In der Landschaft, der jedes Leben letztlich gleicht, ist die Umgebung des fünfzigsten Jahrs häufig die Provinz der Trauer, die Domäne der Dinge, die man nicht oder aber gerade doch getan hat, das leere Gebiet der verstorbenen Freunde oder der verlorenen Geliebten, Niemandsland. Die Luft hat dort zuweilen den Geschmack von Asche, die Tage verlieren ihre Farben, und das Durchwandern dieses Landstrichs beschwört den Gedanken an Verschwinden herauf – und damit an den Tod, der erstmals nahe scheint."
Cees Nooteboom, Der Brief
in: Nootebooms Hotel, 455

In der sogenannten Lebensmitte überfällt uns die Trauer über die verpassten Möglichkeiten und das Bewusstsein der Verluste. Das Leben verengt sich und die Nähe des eigenen Todes wird spürbarer. In der Zeit vorher war man eher blind für die eigene Sterblichkeit, aber nun durchzieht das Leben zunehmend der Hauch seiner Todesverfallenheit.

Name  PW 


Nooteboom, Cees: Nootebooms Hotel. Frankfurt am Main: Suhrkamp (suhrkamp taschenbuch) 2002