Zeit
Helmut Brandt: ohne Titel


 
In der sogenannten Lebensmitte überfällt uns die Trauer über die verpassten Möglichkeiten, das nicht gelebte Leben. Im Verlieren mahnt uns die Todesnähe.

"In der Landschaft, der jedes Leben letztlich gleicht, ist die Umgebung des fünfzigsten Jahrs häufig die Provinz der Trauer, die Domäne der Dinge, die man nicht oder aber gerade doch getan hat, das leere Gebiet der verstorbenen Freunde oder der verlorenen Geliebten, Niemandsland. Die Luft hat dort zuweilen den Geschmack von Asche, die Tage verlieren ihre Farben, und das Durchwandern dieses Landstrichs beschwört den Gedanken an Verschwinden herauf - und damit an den Tod, der erstmals nahe scheint."
Cees Nooteboom, Der Brief
in: Nootebooms Hotel, 455
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