Rückzug
Helmut Brandt: ohne Titel


 
Im Zusammensein mit anderen bleibt das Erleben an der Oberfläche, verliert sich leichter. Mit sich allein, versinkt man im Erleben, verliert sich mitunter in ihm.

"Die Beobachtungen und Begegnisse des Einsam-Stummen sind zugleich verschwommener und eindringlicher als die des Geselligen, seine Gedanken schwerer, wunderlicher, und nie ohne einen Anflug von Traurigkeit. Bilder und Wahrnehmungen, die mit einem Blick, einem Lachen, einem Urteilsaustausch leichthin abzutun wären, beschäftigen ihn über Gebühr, vertiefen sich im Schweigen, werden bedeutsam, Erlebnis, Abenteuer, Gefühl. Einsamkeit zeitigt das Originale, das gewagt und befremdend Schöne, das Gedicht. Einsamkeit zeitigt aber auch das Verkehrte, das Unverhältnismäßige, das Absurde und Unerlaubte."
Thomas Mann, Der Tod in Venedig
in: Erzählungen Band 1, 356
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