Zeit
Helmut Brandt: ohne Titel

 
Zunächst scheint die Zeit grenzenlos, doch irgendwann trifft uns der Schock der Erkenntnis. An die Stelle der Fülle tritt unaufhaltsam der drohende Verlust.

"Die Zeit fließt genauso dahin wie ein Fluß: anfangs schwermütig und unentschlossen, mit den Jahren dann in wilder Hast. Wie der Fluß verfängt sie sich in den zarten Algen und im Moos der Kindheit. Wie er stürzt sie sich durch die Schluchten und über die Schnellen, die den Beginn ihrer Beschleunigung kennzeichnen. Bis zum zwanzigsten oder dreißigsten Lebensjahr glaubt man, die Zeit sei ein endloser Fluß, eine geheimnisvolle Substanz, die aus sich selbst gespeist wird und sich nie aufbraucht. Doch dann kommt der Augenblick, in dem der Mensch den Verrat der Jahre aufdeckt."
Julio Llamazares, Der gelbe Regen, 121
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