Selbst
Helmut Brandt: ohne Titel

 
Das spielerische Umgehen mit der Lüge führt uns leichtfüßig auf das Parkett des sozialen Miteinanders. Wir jonglieren mit der Grenzenlosigkeit der Fantasie, erschaffen uns neu und lassen uns gleichsam beflügeln durch die verbogenen Gespinste unserer Spielgefährten. Die Wahrheit hingegen droht uns auszugrenzen, ist spröde, gefährlich und missverständlich und letztlich ein Spielverderber. Sie verweist uns in die Ecke der Einsamkeit.

"... genau wie die Niederlage eine Waise sei und der Sieg hundert Väter habe, habe die Lüge viele Kinder, und die Wahrheit sei ohne Nachkommenschaft. Die Wahrheit existiere ledig und einsam, deshalb zögen die Leute die Lüge vor, sie bringe uns zusammen, erfreue uns, mache uns zu Beteiligten und Komplizen. Die Wahrheit isoliere uns statt dessen und verwandle uns in Inseln, die von Verdacht und Neid umgeben seien. Darum spielten wir so viele verlogene Spiele. Um nicht die Einsamkeit der Wahrheit ertragen zu müssen."
Carlos Fuentes, Die Jahre mit Laura Díaz, 448
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