Zeit
Helmut Brandt: ohne Titel


 
Jung sein ermöglicht, immer wieder neu zu beginnen und bisher Gelebtes und Erworbenes unbekümmert zu verwerfen. Alt werden bedeutet, diese Kraft zu verlieren und sich an das Erreichte zu klammern.

"Er schämt sich, daß es mit ihm dahin gekommen ist und daß ein vom Haben verordnetes Sein ihm das Sein ohne Haben, das Sein des permanenten Werdens, gestohlen hat. Dann fragt er sich, ob eine Gesellschaftsordnung denkbar sei, in welcher der lächerliche Sieg, der triste Niederlage ist, ihm hätte erspart bleiben können, ein System, in dem das Sein kein Haben ist, (...) sondern Sein des Werdens bliebe: sein und werden mit den Anderen, deren Blick ihn nicht überwältigte, vielmehr ihm hülfe, immer wieder null zu sein und vom Nullpunkt aus sich neu zu konstituieren."
Jean Améry, Über das Altern. Revolte und Resignation, 72
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