Selbst
Helmut Brandt: ohne Titel

 
Unsere Voratskammern an Masken sind reich bestückt. Wir benutzen sie zur Selbstentfremdung, als berechnendes Kalkül oder aus purer Eitelkeit. Erst wenn der Tod uns entlarvend die letzte Maske vom Gesicht reißt, ist ist keine Täuschung mehr möglich.

"Kaltblütig und gleichgültig reißt das Leben jedem die Maske vom Gesicht. Alle tragen vermutlich Masken mit sich herum. Manche benutzen immerfort ein und dieselbe Maske, die natürlich im Laufe der Zeit schmutzig und faltig wird. Das sind die Sparsamen. Eine andere Gruppe bewahrt die Masken für nachkommende Generationen auf. Schließlich gibt es Menschen, die sich immer wieder neue Masken aufsetzen, aber sobald sie ein gewisses Alter erreicht haben, merken sie, daß sie nur noch eine Maske - die letzte - zur Verfügung haben. Auch diese verbraucht sich bald und fällt ab. Erst dann kommt hinter dieser letzten Maske ihr wahres Gesicht zum Vorschein."
Sadeq Hedayat, Die blinde Eule, 98
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