Selbst
Helmut Brandt: Ohne Titel

 
Man will festhalten, was man ist. Man hat Angst, zu verlieren, was man nicht hat. Beides Ausdruck einer Gier. Bilder, Ideen, Träume, Wünsche: Parasiten, die uns bewohnen.

"Natürlich leiden wir an bodenloser Gier. Unser Leben ist uns so kostbar, daß wir uns vor Verschwendung hüten. Oder vielleicht wäre eine bessere Bezeichnung dafür der Sinn für das persönliche Schicksal. Das ist sicher besser als Gier. Soll mein Leben um ein tausendstel Zentimeter seine äußerste Möglichkeit verfehlen? Es ist etwas anderes, ob man sich bewertet oder sich einen unsinnigen Preis beimißt. Daneben gibt es dann noch unsere Pläne, Idealisierungen. Auch diese sind gefährlich. Sie können uns wie Parasiten verzehren, uns fressen und trinken und leblos auf der Strecke lassen. Und trotzdem laden wir stets den Parasiten ein, als seien wir begierig, ausgesogen und verschlungen zu werden."
Saul Bellow, Mann in der Schwebe, 57
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