Aufbruch
Helmut Brandt: ohne Titel


 
Es ist weniger die Neugier und das Interesse, die den modernen Reisenden unterwegs sein lässt, sondern eher die Gier nach Neuem, Spektakulärem, nach Fluchtpunkten fern der grauen Alltagsrealität. So wird die Ortlosigkeit des Menschen im Reisen selber zum Ereignis.

"Das Ziel der modernen Reise ist nicht ihr Ziel, sondern ein neuer Ort schlechthin, erfragt wird weniger das bestimmte Sein einer Landschaft als die Fremdheit ihres Gesichts. (...) Der Akzent liegt auf der Abgelöstheit, die sie gewährt, nicht auf der durch sie vermittelten Hinwendung zu einer so oder so gearteten Gegend. (...) Immer mehr wird sie zur unvergleichlichen Gelegenheit, woanders zu sein, als eben dort, wo man gewöhnlich ist, als räumliche Veränderung, als vorübergehende Vertauschung der Aufenthalte erfüllt sie ihre entscheidende Funktion."
Siegfried Kracauer, Die Reise und der Tanz
in: Das Ornament der Masse, 40f.
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