Zeit
Helmut Brandt: ohne Titel

 
Plötzlich taucht aus der Tiefe des Vergangenen etwas Vergessenes auf, von dem man nichts mehr wusste. Als hätte es in einem abgelegenen Winkel auf ein Zeichen zur Rückkehr gelauert.

"Die Zeit heilt am Ende alle Wunden. Die Zeit ist ein geduldiger gelber Regen, der nach und nach die verheerendsten Feuer löscht. Doch es gibt Lohen, die unter der Erde brennen, Schründe im Gedächtnis, die so ausgedörrt und so tief sind, daß vielleicht nicht einmal die Sintflut des Todes ausreichen würde, sie zu löschen. Man versucht, sich an das Leben mit ihnen zu gewöhnen, man überzieht die Erinnerung mit Schweigen und Rost, und wenn man glaubt, man habe schon alles vergessen, genügt ein einfacher Brief, ein Photo, und schon zerspringt die Eisschicht des Vergessens in tausend Stücke."
Julio Llamazares, Der gelbe Regen, 55
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