Zeit
Helmut Brandt: ohne Titel

 
Tage, and denen nichts Besonderes geschieht, vergehen wie im Fluge, während wir auf Reisen mit vielen neuen Situationen das Gefühl einer gedehnten Zeit haben und darüber staunen, wieviele Ereignisse in einen einzigen Tag passen.

"Man glaubt im ganzen, daß Interessantheit und Neuheit des Gehaltes die Zeit ›vertreibe‹, das heißt: verkürze, während Monotonie und Leere ihren Gang beschwere und hemme. Das ist nicht unbedingt zutreffend. Leere und Monotonie mögen zwar den Augenblick und die Stunde dehnen und ›langweilig‹ machen, aber die großen und größten Zeitmassen verkürzen und verflüchtigen sie sogar bis zur Nichtigkeit. Umgekehrt ist ein reicher und interessanter Gehalt wohl imstande, die Stunde und selbst noch den Tag zu verkürzen und zu beschwingen, ins Große gerechnet jedoch verleiht er dem Zeitgange Breite, Gewicht und Solidität, so daß ereignisreiche Jahre viel langsamer vergehen als jene armen, leeren, leichten, die der Wind vor sich her bläst, und die verfliegen. Was man Langeweile nennt, ist also eigentlich viel mehr eine krankhafte Kurzweiligkeit der Zeit infolge von Monotonie."
Thomas Mann, Der Zauberberg, 110f.
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