Leben
Helmut Brandt: Altamira


 
Wenn das Leben beginnt, den Menschen herauszufordern, ihn vor Aufgaben stellt, an denen er wachsen könnte, ihn einlädt, dem Gegenwind standzuhalten, ist er versucht, durch Sublimierung zu entkommen, um sich erhaben zu fühlen. Erst das Unbehagen, das diese Selbsttäuschung irgendwann unterwandert, entlarvt die hohle Kleinmütigkeit.

"Kaum war die Jugendzeit, mit dem wenigen an Kraft und Antrieb, die für die Jugend charakteristisch sind, vorbei, so hörten sie auf zu wachsen. Gerade in dem Augenblick, da man fühlte, daß jetzt die Zeit gekommen sei, sich zusammenzunehmen, seine ganze Kraft einzusetzen, das Steuer zu ergreifen, erwachsen zu werden, schienen sie sich damit zu begnügen, ihren tiefsten Herzenswunsch gegen unzählige kleine Wünsche einzutauschen. Das Bild, das sich mir dabei aufdrängte, war das eines Flusses, der in zahllosen dünnen Rinnsalen in einem dunklen Sumpf versickert."
Katherine Mansfield, Tagebuch 1904-1922, 457f.
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