Sprache

 
In seiner Lebensangst hat er sich in seiner Einsamkeit einen "inneren Kreis" geschaffen, der frei ist von den Verfehlungen und Ängsten, die aus dem Zusammensein mit anderen für ihn erwachsen.
Alleinsein ist für Kafka eine "Voraussetzung des Glücks", die er bewahren will gegen das Ineinander und Miteinander der Menschen:
"... nicht wie in den gemeinsamen Wohnungen dieser Lärm, diese Unzucht, diese Inzucht der haltlosen, längst nicht mehr beherrschten Körper Gedanken und Wünsche, wo in allen Winkeln, zwischen allen Möbeln unerlaubte Verhältnisse, unpassende, zufällige Dinge, uneheliche Kinder entstehen ..." (Prag, 6.7.1920)
Kafka hatte Angst vor körperlicher Nähe und Sexualität. In seinem Tagebuch bezeichnet er den "Koitus als Bestrafung des Glücks des Zusammenseins". Wenn er einmal eine Nacht mit einer Frau verbracht hatte, war er danach zwar glücklich, "aber dieses Glück bestand nur darin, daß ich endlich Ruhe hatte vor dem ewig jammernden Körper, vor allem aber bestand das Glück darin, daß das Ganze nicht noch abscheulicher, nicht noch schmutziger gewesen war." (Prag, 8./9.8.1920)
Nachdem die beiden einen Monat sinnlos und ergebnislos um die Möglichkeit gerungen haben, einander in Wien wiederzusehen, planen sie ein Treffen in Gemünd, der Grenzstation der Zuglinie zwischen Wien und Prag. Nach langem Hin und Her kommt es dort am 15. und 16. August zu einer Begegnung. Kafkas Vermutung, daß Milena ihren Mann nicht verlassen will, wird spätestens dort zur Gewißheit. Es kommt zur Entfremdung zwischen beiden.
In den Wochen nach Gmünd versucht Kafka, sich innerlich von Milena zu lösen. Schließlich bittet er sie um den Abbruch der Korrespondenz, um sich nicht mehr "bis an den Irrsinn heran" quälen zu müssen. Auch Max Brod bittet Milena, Kafka nicht mehr zu schreiben. Der Briefwechsel wird zunächst eingestellt.
Im Winter 1921 kommt es dann noch zu einigen Begegnungen, Milena lebt zeitweilig in Prag. Sein Vertrauen zu ihr zeigt sich darin, daß er ihr seine Tagebücher übergibt mit der Bitte, sie nach seinem Tod Max Brod zu überlassen.
Franz Kafka, Briefe an Milena
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