Andere
Helmut Brandt: Mauertattoo

 
(Der Andere ist auch die Andere, es gibt keine geschlechts-indifferente Bezeichnung.)
Der Andere kann Spiegel, Bedrohung oder Vorwurf sein. - Der Spiegel wäre Selbstfindung durch den oder am Anderen. Bedrohung wäre der Andere in seiner Fremdheit, die sich z.B. einem Verstehen verweigert. Vorwurf wäre der Andere, indem er mich auf meine Verantwortung ihm gegenüber zurückwirft.
Als Spiegel wird der Andere zu meinem Objekt, ich finde mich in ihm, ich verstehe ihn, er wird ein Teil meiner Welt, mit ihm verbindet mich ein Einverständnis. Das Selbst sucht sich im Anderen zu finden, der Andere wird zu einer Gestalt des Eigenen.
Als Bedrohung erfahre ich den Anderen, wenn der Spiegel zerbricht, wenn ich ihn als die Kraft meiner Auslöschung sehe, z.B. als Blick (Sartre), der mich zum Gegenstand macht und mich meiner Freiheit beraubt. Oder als Fremdheit, zu der ich keinen Zugang finde, die mich ausschließt.
Vorwurf oder Heimsuchung ist der Andere für mich, weil er sich mir in seiner Hilflosigkeit zeigt, mich damit enteignet hinein in eine Verantwortung ihm gegenüber. Der Andere ist nicht Blick, der mich zum Gegenstand macht, sondern die Blöße seines Gesichts, die ihn mir in seiner Not zeigt.
Name  PW