Andere
Helmut Brandt: Virtuelle Poesie

 
Sich auf Kommunikation einzulassen, heißt auch, sich dem Anderen ein Stück auszuliefern, das Wagnis einzugehen, die ausgestreuten Wörter aufzufangen. Sie können befruchten, aber auch vernichten. Sie stellen Nähe und Verstehen her oder reißen Kluften und lösen Befremden aus. Kommunikation macht Opfer und Täter aus uns.

"Die Kommunikation ist ein ganz anderes Abenteuer der Subjektivität als das, welches von der Sorge, sich wiederzufinden, beherrscht wird, ein anderes als die Koinzidenz des Bewußtseins; hier beruht die Kommunikation auf der Ungewißheit als einer positiven Bedingung: Nur als entschiedenes Opfer ist sie möglich. Die Kommunikation mit dem Anderen kann nur als gefährliches Leben Transzendenz sein, als ein schönes Wagnis, das eingegangen werden muß. Diese Wörter gewinnen ihren starken Sinn, wenn sie die Unentgeltlichkeit des Opfers ausdrücken, statt nur den Mangel an Gewißheit zu bezeichnen."
Emmanuel Lévinas, Die Spur des Anderen, 322
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