Rückzug


 
"Das Palliativ der primitiven Hütte. Der Ort, an dem man auf das Wesentliche beschränkt ist, an den man zurückkehrt – auch wenn man zufällig nicht von dort gekommen ist –, um sich vom Kampf des Lebens zu entgiften und freizumachen. Der Ort, an dem man die Uniformen, die man getragen hat, und die Kostüme, in die man gesteckt wurde, wie eine Schlangenhaut abstreift, an dem man seine Beschädigungen und Verstimmungen, seine Zugeständnisse an und seinen Widerstand gegen die Welt, sein Manipulieren der Welt und die üblen Manipulationen mit einem selbst einfach vergisst und von sich wirft. Der alternde Mensch geht weg und verzieht sich in die Wälder."
Philip Roth, Mein Mann, der Kommunist, 95

Der Wunsch nach Rückzug ist nicht auf den letzten Lebensabschnitt beschränkt. Der Traum, sich zu lösen und wegzugehen, begleitet uns durchs Leben, das meistens als Zwang und Last empfunden wird. Der Rückzug soll eine Rückkehr zu sich selbst aus der Entfremdung, eine Befreiung von Unwesentlichem sein. Oft lässt erst das Alter mit dem Schwinden der Verpflichtungen die Möglichkeit dieses Ausbruchs näherrücken. Aber dieser Ausbruch paart sich dann mit Müdigkeit, und der andere Ort wird zu einem letzten Ort.

Name  PW 


Roth, Philip: Mein Mann, der Kommunist. Roman. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Taschenbuch, 2001
uch, 2001