"Man kommt zu sich, das ist eine unglaubliche Sache, jedes Aufstehen eine Auferstehung, weil alles dagegen spricht, daß sich das Bewußtsein auf seine Unterbrechung eingelassen hat: Es ist seinem Wesen nach, was Unterbrechungen nicht erträgt. Was als Pathologie der Schlaflosigkeit erscheint, ist vielmehr das Sich-Durchsetzen der Normalität des Daseins als »Sorge« um sich, zunehmend im Alter, wo es immer wahrscheinlicher wird, daß es dem Bewußtsein nicht gelingt, zu sich zurückzufinden."
Hans Blumenberg, Begriffe in Geschichten, 148

Das Bewusstsein ist ein Wächter und deshalb kein Freund des Schlafes. In der Schlaflosigkeit wehrt sich das Bewusstsein gegen seine Unterbrechung im Schlaf; der Schlaf ist seine Auslöschung. Die Bildfolgen des Traums sind seine Gegenwehr. Jede Nacht muss der Schlaf gegen das Bewusstsein erzwungen werden.
Der Buddhismus sieht den Übergang in den Schlaf als Aufhebung der Dualität von Subjekt und Objekt, als den nicht mitteilbaren Augenblick der Erleuchtung. Dies wäre die Aufhebung der Repräsentation. Dem entspräche der Sturz in den Tiefschlaf, der durch die Traumproduktion aufgehalten wird, was letztlich zum Aufwachen führt.

Name  PW 


Blumenberg, Hans: Begriffe in Geschichten. Berlin: Suhrkamp (Bibliothek Suhrkamp), 2016
mp), 2016