Sprache


 
Er mutet ihr eine extrem paradoxe Kommunikation zu, indem er sie an sich zu ziehen versucht, indem er sie gleichzeitig zurückstößt:
"Ich wollte nur noch sagen, daß in dem Vorigen alles was Dir mißfällt nicht wahr und nicht so gemeint ist; es ist zwar vollkommen wahr und auch so gemeint, aber ich liebe Dich so, daß ich, wenn Du es mit einem Blicke willst, auch die Unwahrheit sage und - noch mehr - sie glaube." (17./18.2.13)
"Die falschen Sätze umlauern meine Feder, schlingen sich um ihre Spitze und werden in die Briefe mitgeschleift." (18./19.2.13)
Immer wieder erklärt er ihr, daß er besessen vom Schreiben ist, und daß Schreiben etwas fürchterlich Einsames ist, das jeden anderen Menschen ausschließt. Und wäre deshalb ebenfalls einsam, wenn sie an seiner Seite leben würde.
"Einmal schriebst Du, Du wolltest bei mir sitzen, während ich schreibe; denke nur, da könnte ich nicht schreiben...Schreiben heißt ja sich öffnen bis zum Übermaß...Deshalb kann man nicht genug allein sein, wenn man schreibt, deshalb kann es nicht still genug um einen sein, wenn man schreibt, die Nacht ist noch zu wenig Nacht. Deshalb kann nicht genug Zeit einem zu Verfügung stehen, denn die Wege sind lang, und man irrt leicht ab...Oft dachte ich schon daran, daß es die beste Lebensweise für mich wäre, mit Schreibzeug und einer Lampe im innersten Raume eines ausgedehnten, abgesperrten Kellers zu sein. Das Essen brächte man mir, stellte es immer weit von meinem Raum entfernt hinter der äußersten Tür des Kellers nieder. Der Weg um das Essen, im Schlafrock, durch alle Kellergewölbe hindurch wäre mein einziger Spaziergang. Dann kehrte ich zu meinem Tisch zurück, würde langsam und mit Bedacht essen und wieder gleich zu schreiben anfangen. Was ich dann schreiben würde! Aus welchen Tiefen ich es hervorreißen würde!"
Franz Kafka, Briefe an Felice
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