"Man weiß zu wenig, und es existiert nicht. Man weiß zu viel, und es existiert nicht. Schreiben heißt, das Existierende aus dem Schatten dessen zu ziehen, was wir wissen. Darum geht es beim Schreiben. Nicht, was dort geschieht, nicht, welche Dinge sich dort ereignen, sondern es geht um das Dort an sich. Dort ist der Ort und das Ziel des Schreibens."
Karl Ove Knausgard, Sterben, 251

Das Wissen erreicht nicht das, was existiert. Das Wissen wirft einen Schatten, in dem das, was existiert, unsichtbar wird. Denn das Existierende ist das Einmalige. Dieses kennt das Wissen nicht. Das Schreiben sucht das Einmalige, indem es sich vom Wissen löst. –
Was meint Knausgard mit dem »Dort«? Ein Anderswo in Bezug auf ein Hier, von dem aus ich mein Ich narzisstisch inszeniere? Ein Dort, wo ich mich in den Umständen meines Lebens verliere? Zufälligkeiten und Belanglosigkeiten, die ansonsten als unwesentlich angesehen werden, aber mein singuläres Dasein ausmachen?

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Knausgard, Karl Ove: Sterben. Roman. München: btb, 2013