Tod
Helmut Brandt: ohne Titel

 
Wenn ein Leben in Würde nicht mehr möglich ist, wenn Krankheit und Verfall die Möglichkeiten immer weiter eingeschränkt haben, das Leben vor allem eine Demütigung geworden ist: dann ist der selbstbestimmte Tod ein letzter Ausdruck von Stolz und der Versuch zu einem gelingendem Abschied.

"Auf eine stolze Art sterben, wenn es nicht mehr möglich ist, auf eine stolze Art zu leben. Der Tod, aus freien Stücken gewählt, der Tod zur rechten Zeit, mit Helle und Freudigkeit, inmitten von Kindern und Zeugen vollzogen: so daß ein wirkliches Abschiednehmen noch möglich ist, wo der noch da ist, der sich verabschiedet.
(...)
Hier gilt es, allen Feigheiten des Vorurteils zum Trotz, vor allem die richtige, das heißt physiologische Würdigung des sogenannten natürlichen Todes herzustellen: der zuletzt auch nur ein »unnatürlicher«, ein Selbstmord ist. Man geht nie durch jemand anderes zugrunde, als durch sich selbst. Nur ist es der Tod unter den verächtlichsten Bedingungen, ein unfreier Tod, ein Tod zur unrechten Zeit, ein Feiglings-Tod. Man sollte, aus Liebe zum Leben -, den Tod anders wollen, frei, bewußt, ohne Zufall, ohne Überfall."
Friedrich Nietzsche, Götzen-Dämmerung
in: Werke II, 1010f.
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