Aufbruch
Helmut Brandt: Altamira

 
Schon so lange gleichmütig hingenommen, die eintönige Aneinanderreihung unserer blassen Tage, in denen die Zeit so müde in die Vergänglichkeit tropft. Um so aufrüttelnder dann die Erfahrung, unerwartet einem Menschen zu begegnen, der für sein Leben eine umwälzende Entscheidung getroffen hat: Der seinen angehäuften Besitz als Ballast abgeworfen, die materielle Bürde gegen eine innere und äußere Freiheit eingetauscht hat.
Wie ein Erdrutsch die Erkenntnis, dass genau das an einen alten Traum rührt, den wir aus Bequemlichkeit verraten haben, der eine Sehnsucht wachrüttelt, die nie wirklich verloren war. Und hier gibt uns das Schicksal eine Chance, das Ruder noch einmal herumzureißen, stehen zu bleiben und die Richtung ändern. Wir müssen loslassen - das ist der Preis der Freiheit.

"Wir gehen von Tag zu Tag, jeder Tag gleicht dem andern, und dann stoßen wir irgendwann ganz unverhofft auf jemanden wie diesen Mann, jemanden, den wir vielleicht schon kennen und der ein Mensch ist wie jeder andere, der aber eine Haltung hat wie einer, der sein Hab und Gut auf einen Altar häuft, und in dieser Haltung erkennen wir, was in unserm Innern verschüttet war, was uns niemals wirklich abhanden gekommen ist und uns auch niemals verlorengeht. Und genau das ist der bewußte Moment. Genau das. Das ist es, wonach wir uns sehnen, was wir uns nicht zu suchen getrauen, was aber zugleich unsre einzige Rettung ist."
Cormac McCarthy, Grenzgänger, 162f.
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