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Helmut Brandt: Dokument (1998)

 
Das Schreiben will besondere Bedingungen. Wir suchen uns einen Platz, vor uns ein leeres Blatt, Requisiten, die wir um uns brauchen als Trennung vom Außen. Und dann lösen wir uns von unserem zielgerichteten, wachsamen Selbst, überlassen uns den spannenden Momenten des Nochnichtwissens, der Neugier, was da entstehen will. Das Außen weicht einem inneren Raum der Fantasie und der Kreativität.

"Alle suchen wir diese Augenblicke, in denen wir uns von uns selbst zurückziehen, dieses Inkognito uns selbst gegenüber, das wir verheimlichen. Man weiß nicht, weiß nichts von allem, was man tut. Das Schreiben zeugt vor allem von diesem Nichtwissen, von dem, was geschehen kann, wenn man da am Tisch sitzt, dem sogenannten Arbeitstisch, von dem, was aus dieser physischen Tatsache entsteht, daß man an einem Tisch sitzt mit dem, was man braucht, um auf der noch unberührten Seite Buchstaben zu formen."
Marguerite Duras, Die grünen Augen, 15
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