"Was sind das doch für sonderbare Bewegungen, diese Bewegungen der Liebe! Was sonst ist dieses Beißen, Krallen, Würgen, dieses verzweifelte Hämmern an verschlossener Tür, mit Fäusten, Zähnen und Nägeln, dieses ergrimmte Wühlen im fremden Körper, was sonst ist es, von außen betrachtet, als eine große Szene der Wut, der Züchtigung, der Abrechnung."
Sándor Márai, Die Fremde, 159

Wer wie ein Voyeur einen Liebesakt beobachtet, mag an ein Schlachtfeld erinnert werden, auf dem der Geschlechterkampf stattfindet. Das Überwältigen, die Unterwerfung, das Stoßen und das Aufbäumen. Am Ende des Nahkampfes die Siegerschreie und das abebbende Seufzen der Ergebung. Niedergestreckte Waffen. Ist Lust ein Synonym für Angriff und Verteidigung?

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Márai, Sándor: Die Fremde. Roman. München: Piper, 2005