Liebe
Helmut Brandt: ohne Titel

 
Indem wir einander zuhören, Geschichten erzählen, Geheimnisse anvertrauen, im Buch der Erinnerungen blättern, geben wir uns die Chance, vom Anderen wahrgenommen zu werden und die eigene Spur aufzunehmen.

"Da ist die einzigartige Chance, die uns mit jedem Beginn einer Liebesgeschichte gegeben wird: die Zeit des Erzählens der eigenen Lebensgeschichte. Der Anfang ist immer gekennzeichnet durch zwei ineinandergeschlungene Stimmen, die sich ihr Leben erzählen. Erzählzeit. Zuhörzeit. Der Anfang ist immer: das Abtauchen in die Erinnerung. Ein langsames, verästeltes Ausschöpfen.
Deshalb vielleicht das rauschhafte Glücksmoment dieser ersten Phase der Liebe: im Prozeß des wechselseitigen Erzählens und Zuhörens schimmert die Hoffnung auf, ein einziges Mal verstanden zu werden, d.h. zu existieren."
Undine Gruenter, Der Autor als Souffleur. Journal, 138f.
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